Xanten, zwei Tage, sieben Rikschas, viele Überraschungen
von Jürgen Meier
– die besondere Tour von Radeln ohne Alter Neukirchen Vluyn
Frank und Sabine griffen die Idee bereits im Januar 2025 auf – und fanden mit der Jugendherberge Xanten einen Ort, der nicht nur rikscha‑tauglich erreichbar ist, sondern uns auch zehn Doppelzimmer für eine Nacht reservierte. Der einzige freie Termin lag allerdings weit in der Zukunft: die Nacht vom 19. auf den 20. September 2026.
Die Herbergsleiterin machte für uns sogar eine Ausnahme und erlaubte die Buchung nur einer Nacht. Und als wir kurzfristig zwei Zimmer doch nicht belegen konnten, mussten wir sie nicht einmal bezahlen. Ein echtes Entgegenkommen – und keineswegs selbstverständlich.
Tag 1 – Überraschungen, Römer und Rikschapower
Am Samstag, 19. September, trafen sich um 10 Uhr fünfzehn Pilotinnen und Piloten sowie Friedel, der Mann unserer Ursel, mit sieben Rikschas und vier Einzelrädern.
Dass Heinz, unser ehemaliger Zehnkämpfer, die rund 100 Kilometer souverän allein meistern würde, war klar. Aber dass Patrick die Strecke ebenfalls komplett mit der „Fröschli“ schaffte, sorgte in der Gruppe für echte Anerkennung dieser Leistung.
Und wie wir Sabine und Frank kennen, hatten sie nach kaum zehn Kilometern schon die erste Überraschung parat: Im Innenhof des Husmeshofes in Kamp-Lintfurt-Fuchsberg von Franks Schwester und deren Mann wurden wir mit einem herzlichen Hallo empfangen. Sekt (mit und ohne Umdrehungen), Saft und Knabbereien standen bereit, und das liebevoll hergerichtete Anwesen sorgte sofort für Wohlfühlatmosphäre und schöne Gespräche.
Doch Xanten wartete – also ging es weiter über gut ausgebaute Wege, bei idealem Fahrradwetter, durch die niederrheinische Landschaft. Frank hatte eine Route gewählt, die fast ohne Höhenmeter auskam. Erst vor Birten wartete ein ordentlicher Anstieg.
Oben angekommen folgte Überraschung Nummer zwei: Im Freiluft‑Amphitheater hatten Elisabeth und Hans selbst gebackenen Kuchen, Getränke, Trauben und Snacks vorbereitet. Und als wäre das nicht genug, gab uns Harald – zertifizierter Limes‑Cicerone – eine kleine, lebendige Führung über die Römer. Geschichte wirkt eben anders, wenn man mitten drin steht.
Von dort war es nicht mehr weit bis zur Jugendherberge Xanten. Schade nur, dass Elisabeth und Hans nicht wie geplant nachkommen konnten: Ihr Auto streikte, der ADAC half zwar, aber das Risiko weiterer Pannen war zu hoch.
Die Zimmerbelegung und das Unterstellen der Rikschas funktionierten reibungslos – gute Planung zahlt sich aus.Am Abend freuten wir uns auf ein warmes Essen. Für 16 Personen war es Gold wert, dass Frank im Plaza del Mar am Xantener Hafen einen großen Tisch reserviert hatte. Das Lokal mit seinem besonderen Flair lud zum Genießen und Verweilen ein.
Da die 2,5 Kilometer zwischen Jugendherberge und Restaurant für einen Spaziergang etwas ambitioniert waren, kamen unsere Rikschas erneut zuverlässig zum Einsatz.
Tag 2 – Regen, Reparaturen und Wasserbüffel
Wie angekündigt regnete es in der Nacht, doch pünktlich gegen 10 Uhr verzog sich der Regen. Die Rikschas wurden zunächst noch vorsorglich mit Planen geschützt, die wir aber bald wieder entfernen konnten. Der Himmel war zunächst grau, doch Stunde für Stunde kam mehr Blau durch und die Sonne wärmte uns angenehm.
Heinz reparierte vor dem Start noch schnell einen Platten, und bei der Chat‑Rathaus‑Rikscha verhakte sich die Kette zunehmend. In Büderich wurde der Fehler behoben – während wir der Feuerwehr beim Aufbau ihres Festes zuschauten.
Für den Rückweg hatten wir eine Route ohne den Birten‑Anstieg gewählt. Über die Bislicher Insel – inklusive mehrfacher Fotostopps wegen der Wasserbüffel mit ihren Kälbern – ging es weiter nach Büderich und schließlich zum Restaurant Die Wacht am Rhein, wo wir bei bestem Wetter ein letztes gemeinsames Essen genossen.
Die gute Stimmung führte dazu, dass sich die Mehrheit noch einen Zwischenstopp in der Eisdiele Corazza in Kamp‑Lintfort wünschte. Während wir draußen unser Eis schleckten, kamen fünf Rikschas von Young Caritas Kamp‑Lintfort mit Gästen vorbei. Spontan bildeten wir ein Spalier und begrüßten die Gruppe herzlich – sehr zur Freude der Gäste und Pilotinnen und Piloten.
Danach nahmen wir die letzten Kilometer in Angriff. Gegen 18 Uhr dürften alle wieder zuhause gewesen sein – vielleicht etwas erschöpft, aber ganz sicher erfüllt von einem besonderen Erlebnis.